Wintertal_Goslar

Print Friendly, PDF & Email

Das Wintertal im Winter

Der Winterbach im Wintertal am Abschlag Harz-kompakt
Der Winterbach im Wintertal

Auf dem Weg zum Wintertal erklärt sich der Name der Abzucht, die durch Goslar fließt – es ist nicht die Gose – , die Aufgabe des „Herzers“ und der Eingang des Röderstollens. Besucht habe ich auch einen der vielen Zugänge zu Oker-Grane-Stollen. Und wie es sich für ein Wintertal gehört, lag alles unter leichtem Schnee.

Nachdem es endlich gescheit hatte, habe ich mich aufgemacht, um ins Wintertal südlich von Goslar zu wandern. Wenn man am unteren Ende der Rammelsberger Str. beginnt, bietet es ich an, ein gleich zu Beginn mit dem kurzen Stichweg nach rechts zur Rückseite des Theresienhofes zu gehen. Zum einen kommt man an die Waldbrücke, von der aus man den Zusammenfluss der Gose und der Abzucht sieht. Der weiterführende Bach bleibt beim Namen Abzucht, da zu Bergbauszeiten die Gose an dieser Stelle kaum Wasser führte. Aber das ist eine andere Geschichte. Und zu anderen führt er auf den schönen Theresienhöfer Stieg (Weg). Um seinen Einstieg nicht zu verfehlen, halte man sich von außen dicht an den Zaun des Seniorenheims.

Weitere Fotos auf G+
Film auf YouTube
GPX-Download

Rathstiefste Stollen

Das Mundloch des Rathstiefsten Stollens. Hier ändert der Winterbach seinen Namen in Abzucht.
Das Mundloch des Rathstiefsten Stollens. Hier ändert der Winterbach seinen Namen in Abzucht.

Noch in der ersten Rechtskurve erkennt man auf der dem Bach gegenüber liegenden Seite das Mundloch (Ein-/Ausgang eines Stollens) des Rathstiefsten Stollens. Dieser ca. 1 km lange Wasser­lösungsstollen wurde wahrscheinlich im 12 Jhd. gebaut, um des Erzbergwerk Rammelsberg leichter zu entwässern. Er leitete nicht nur „die“ Wasser, die sich natürlich in einem Bergwerk oder auch Höhlen sammeln, ab, sondern auch diejenigen Wässer, die man künstlich in das Bergwerk leitete, um über große Wasserräder – Kunst- oder Kehrräder – die Pumpen und Fördereinrichtungen anzutreiben. Heute bietet das Museumsbergwerk Rammelberg täglich u.a. Führungen an, die durch das Rödersche System führen und diese untertägigen Wasserräder zeigen. Eine spezielle Führung geht durch den von Vitriolen bunt gefärbten Rathstiefsten Stollen. Er gehört zu den ältesten noch erhaltenen seiner Art.

Die Abzucht

Hier am Mundloch des Rathstiefsten, wie man ihn abkürzt, erhält der von rechts über einen Wasserfall kommende Winterbach den neuen Namen „Abzucht“. Denn der Winterbach führte kaum Wasser. Am Herzberger Teich leitete man sein Wasser in das Erzbergwerk Rammelsberg, um seine Arbeit an den Wasserrädern zu erfüllen und man schließlich hier aus dem Mundloch wieder zu Tage ließ.

Herzberger Teich

Der Wasserfall der Ausflut vom Herzberger Teich
Der Wasserfall der Ausflut vom Herzberger Teich

Von hier aus führt der Weg wahlweise auf dem Waldweg oder den nahe dem Bach gelegenen Pfaden zu Herzberger Teich. Goslarer nennen ihn liebevoll auch Herzer. Der Teich wurde im Jahre 1561 gebaut, um Wasser zu speichern, das auch in Trockenzeiten zum Antrieb der Wasserräder am und im Erzbergwerkes Rammelsberg diente. Als der Damm in Jahre 1651 brach, standen große Teile von Goslar bis zu 1,5 m unter Wasser. Die heutige Dammhöhe stammt aus dem Jahre 1768. Eine Brücke führt über die ständig aktive Ausflut ( Überlauf des Teiches ). Da z.Zt. kein Grundablass des Teiches aktiv ist, entwässert er über die Ausflut. Dem daraus resultierenden Wasserfall kann man über Naturstufen am Dammende näher kommen. Einen sehr viel eindrucksvolleren Wasserfall einer Ausflut, weist zur Schneeschmelze der Oderteich nahe Oderbrück auf. Uns führt der Weg zwischen Teich und dem Hang des Herzberges bis zu einer 2017 neu erstellen Forstbrücke. Die alte musste nach dem Juli-Hochwasser 2017 abgerissen werden. Gleich gegenüber befindet sich das Kaffee „Kinderbrunnen“. Es wirkt wie ein Überbleibsel aus längst vergangenen Tagen. Aber die Betreiber bieten am Wochenende außerordentlich guten, selbst gebackenen Kuchen an!

Der Abschlag

Der Abschlag der Winter in den Oker-Grane-Stollen im Wintertal
Der Abschlag des Winterbaches   in den Oker-Grane-Stollen im Wintertal

Geht man man dem Winterbach weiter entgegen, gelangt man ins Wintertal. Seinen Namen erhielt es sicherlich, da ein Teil der kalten Luft des Oberharzes hier ins wärmere Unterland abströmt. Nach einigen hudert Metern fällt sofort eine kleine Solaranlage auf, die zum Betrieb eines Abschlags dient. Das Bauwerk der Harzwasserwerke leitet einen Teil des Winterbaches in den hier unterquerenden Oker-Grane-Stollen. Der Stollen führt je nach bedarf Wasser aus dem Okertstausee in den Granestausee und nimmt auch hier und von der Gose Wasser entnehmen. Sogar ein Teil der Radau bei Bad Harzburg gelangt über diesen Weg in den Granestausee. Sein Wasser wird aufbereitet um Städte wir Bremen, Hildesheim und Wolfsburg mit dem weichen Wasser des Harzes zu versorgen.

Rückweg

Der Rundweg ins Wintertal.
Der Rundweg ins Wintertal.

Ich bin dann noch etwas weiter ins Schneebedeckte Wintertal gegangen, um dann entlang der Rammelsberger Straße zurück zu gehen. Auf dem Weg passiert man wieder das Kaffee und den eigentlichen Kinderbrunnen.

Einer Sage zufolge soll hier um 1016 eine hochschwangere Ehefrau eines kaiserlichen Dieners hier zwei Jungen zur Welt gebracht haben.
Eine andere Sage besagt, dass hier eine Heilerin die Kindeswünsche der Bergleute entgegen nahm und sie dann mit ihrer Kunst den Bergleuten entsprechend half.

Tatsächlich kommen heute türkische Mitbürger aus Salzgitter um sein Wasser in vielen großen Kanistern gefüllt, mit nach Haus zu nehmen. Einer der Wasserträger erklärte mir, dass das Leitungswasser in Salzgitter ausgesprochen hart wäre. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass zumindest der damit zubereitete Tee dann eine Katastrophe ist – auch die Queen lässt durchaus eigenes Wasser auf Reisen mitnehmen.

Erzbergwerk Rammelsberg

Wären wir hier schon vor 3 Jahren auf der Straße weiter gegangen, hätten wir eine Denkmal geschützte Badeanstalt im Jungendstiel bewundern können. Sie wurde im Jahre 1926 gebaute und wäre das älteste vereinseigen Schwimmbad Norddeuschlands gewesen. Wenn, ja wenn nicht es 2009 geschlossen, verfallen und schließlich nach dem Brand 2013 abgerissen worden wäre.

Solleneingang zum Röderschen System im Wintertal,
Solleneingang zum Röderschen System im Wintertal,

Etwas weiter folgt der Zugang zum Röderstollen. Hier beginnt heutzutage die Röderführung wo früher das Wasser des Herzers hineinfloss. Man folgt im Berg dem Pfad des Wassers.

Und noch ein paar Schritte weiter, etwas höher gelegen, steht das zweitälteste noch erhaltene Gebäudes des Bergwerkes. Es ist das Anfahrhäuschen. Hier stiegen die Bergleute zur Schicht in den Berg; sie fuhren ein bzw. fuhren an. Daher der Name Seit 19…. gehört des dem Harzklub-Zweigverein Goslar e.V. Das noch älter ist der weiter oberhalb, auf dem Gaipel-Plateau stehende Maltermeister Turm mit neu angebautem Restaurant. Aus das wäre eine andere Geschichte.

Wiederum einige Meter weiter befindet sich das Eingangstor zum Bergbaumuseum. Im Hof befindet sich die Stempelstelle  Nr. 91 der Harzer Wandernadel.

Entlang der Strasse stehen die Denkmal geschützten Werkswohnungen der Preussag, die das Bergwerk bis 1968 betrieben haben. In dem Jahr schloss es, da es kein Erz mehr liefern konnte. Kurze Zeit später mutierte die Preussag zur TUI und hinterließ einen winzigen Betrieb, der weiterhin einen Teil des Bergwerkes sichern muss.

Am Ende der Straße und unseres Weges steht Goslars „Glaspalast“. Es war das letzte Verwaltungsgebäude der Bergwerkbetreiber.

 

2 Gedanken zu „Wintertal_Goslar“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.