Umkehrringe für Makro-Fotografie

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Die Makrofotografie ist beliebt und teuer. Teuer, wenn man man es intensiv und eindrucksvoll betreiben will. Denn dann benötigt man Makrolinsen und spezielle Software. Es geht aber auch preiswert mit einfachen Umkehrringe und freier Software.

Video

Der vorangeggangene Blog zur Makrofotografie beschrieb den Einfluss von Zwischenringen. Es wurden mit einer Sony 6000 und dem Zoom „16-70/4Z“ ein Abbildungsmaßstab von knapp 1:1 erreicht, wobei der Abstand Motiv zur Linse im Millimeterbereich lag. Am Walimex (=Samyang)12mm reduzierte jeder Zwischenring den Abstand auf 0mm und war somit nicht brauchbar.

Passive Umkehrring und aktive Umkehrsysteme

die Position des Umkehrringen
Die Position des Umkehrringes

Eine Alternative zu den Zwischenringen ist ein Umkehrring (=Retroring). Mit im lassen sich die Objektive verkehrt herum montieren. Auf der einen Seite hat der Ring ein Bajonettsystem der Kamera, in diesem Falle ein E-Bajonett, und auf der anderen ein Filtergewinde auf das das Objektiv geschraubt wird. Für das 12mm Objektiv habe ich nur einen Lieferanten gefunden. Es hat ca. 12,00 € gekostet.

Der Umkehrring ist passiv, d.h. Er überträgt die Kamerasignale nicht an das Objektiv. Es werden aktive Retrosysteme angeboten, die per „Bypass-Kabel“ und Adapter über das Objektiv herumführen. Die Preise liegen bei ca. 100,00 € und gibt es nicht für alle Kamera-Objektiv-Variationen.

Moderne Objektive

1679f4Z bei Blende 22
1679f4Z bei Blende 22

Viele moderne Objektive werden by-wire gesteuert. Ihre Steuerringe für Fokus und Blende enthalten drehempfindliche Sensoren über die Stellmotore angesteuert werden. Auch im manuellen Programm gibt es keine mechanische Verbindung zwischen Stellring und Blenden bzw. Fokus. Diese Objektive lassen sich also mit den passiven Umkehrringen nicht verstellen.

1679f4Z bei Blende 4
1679f4Z bei Blende 4

Nicht empfehlenswert, aber mit einem Workaround kann man bei der Alpha 6000 die Blende für den passiven Retroring „vorwählen“: mit normal adaptierten Objektiv wählt man die Blende, drückt den Auslöser bis zum ersten Widerstand (Fokusierpunkt), hält ihn und entfernt das Objektiv.
Achtung! Man sollte niemals bei eingeschalteter Kamera, das Objektiv an- oder abnehmen!

Mein passiver Retroring ist also für das mechanische 12mm-Objektiv ausgelegt.

Messungen

Mit meinen Möglichkeiten habe ich lediglich eine sehr kurze Tabelle ermitteln können.

 

Objektiv Brennweite/mm Abstand M-Sensor/mm Abstand M-Linse/mm gemessene Breite/mm Maßstab
Walimex 12mm 12 104 18 8 2,9
Sony 1670f4Z 16 118 60 10 2,4
Sony 1670f4Z 70 185 46 25 0,9

Alle weiteren Kombinationen von Blende und Fokus ergaben sehr kleine Messwertänderungen, die ich nicht sinnvoll messen konnte. Der Abstand verändert sich um geschätzte 0,9 mm, die gemessene Breite um geschätzte 0,1 mm.

Bei einer Sensorbreite von 23,5 mm und einer Motivbreite von 8 mm erhält man eine Abbildungsmaßstab von nahezu 3:1 (Vergrößerung). Und beachtenswert ist der Motivabstand von ca. 2 cm zum Objektiv.

Tiefenschärfe und Focus-Stacking

Meterstab 3:1 Einzelbild
Meterstab 3:1 Einzelbild: nur die Mitte ist scharf

War die Tiefenschärfe mit den Zwischenringen sehr gering, so nimmt sie hier noch werter drastisch ab. Ohne entsprechendes Werkzeug, das ich nicht habe, oder vielen Versuchen ist es nicht möglich die Kamera planparallel zu einem ebenen Motiv auszurichten.

Meterstab: Focus-gestacked
Meterstab 3:1: aus 5 Fotos per Focus-Stack schärfer

Da hilft nur das Focus-Stacking. Man fotografiert dafür das Motiv mehrmals entweder in leicht unterschiedlichen Abständen oder mit  verschobenen Fokuspunkten. Anschließend lässt man eine Software die scharfen Ebenen auswählen und zu einem neuen Foto zusammensetzen. Es bieten sich dafür z.B. „Focus projects professional“ (Version V1.15 ist kostenlos) oder „Helicon Focus“ und auch „Adobe Photoshop“ an.

Bei 3-dimensionalen Objekten ist das Focus-Stacking unerlässlich.

Fotos

Die ersten Versuchskandidaten waren ein kleiner Kandis, eine Kaffeebohne und ein Pfefferkorn. Als Größenvergleich liegen sie auf einem Würfelzucker. Auch wenn diese Objekte über jeweils 5 Fotos gestackt wurden, sind sie nicht vollständig scharf. Das mag zum einen an zu wenig Fotos einer Serie und zum anderen am Objektiv liegen, das durch den Umkehrring seinem Zwecken entfremdet wurde.  Die Makros sind ungekroppt im Maßstab 3:1 aufgenommen und abgebildet.

Hinweise

Wir freuen uns über eure Kommentare und Fragen. Wir antworten schnellst möglich.

Danke im Voraus!

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