Der Kyffhäuser und seine „Umzus“

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Wenn man den Kyffhäuser besucht, meint man meist das Denkmal, das zu ehren des Deutschen Kaisers Wilhelm I. (* 22. März 1797 – † 9. März 1888 ) erbaut wurde und denkt eventuell noch dabei an den Kaiser Barbarossa (um 1122–1190), der hier schlafen soll.

Barbarossa erwacht im Kyffhäuser
Barbarossa erwacht im Kyffhäuser

Der Kyffhäuser ist jedoch ein kleines Mittelgebirge dessen höchster Berg 474 m hoch ist. Es liegt einen Steinwurf südlich entfernt von der Südostecke des Harzes. Hier lässt sich vortrefflich wandern, z.B. vom Kyffhäuser Denkmal zum Ort Tilleda. Und damit wären wir beim ersten „Umzu“.

Die Königspfalz in Tilleda

Mindestens 2 Std.

So klein wie der Ort ist, so bedeutend war er im 8. bis 13. Jhd. als sich hier die Könige in ihrer Pfalz aufhielten. Es gab damals keinen ständigen Regierungssitz. Die Herrscher mussten umherziehen, um sich beim Adel und Volk sehen zu lassen und Gericht zu halten. Diese temporären Wohngebäude  und deren Anlagen für das Gefolge nennt man Pfalz. Burgen nutze man nicht, da sie nur dem Schutz dienten und daher i.d.R. zu klein und beschwerlich zu erreichen waren. Also, Tilleda hatte solch eine Pfalz und die ist wieder zum Museum aufgehübscht worden (http://www.pfalz-tilleda.de).

Blick auf Ort und Pfalz Tilleda
Blick auf Ort und Pfalz (mitte-rechts Zelte) Tilleda

In diesem Freilichtmuseum kann man bequem drei oder mehr Stunden verbringen. Man beachte die Öffnungszeiten und von Dezember bis Februar ist geschlossen (Stand 2017)

Wir waren früher schon einmal dort gewesen und dieses Mal wollten wir unsere Zeit für andere Ziele genutzt. Vom Denkmal des Kyffhäusers aus konnten wir aber erkennen, dass sich inzwischen viel getan hat.

Und damit sind wir beim zweiten „Umzu“.

Das Denkmal auf dem Kyffhäuser

Mindestens 3 Std.

Dieses Denkmal war unser wichtigstes Ziel. Vor Jahren hatten wir schon einmal einen Versuch gestartet, waren aber tageszeitlich recht spät und baten vergeblich um Eintritt und in der Zwischenzeit war das Denkmal zur Renovierung eingerüstet.

Um das Denkmal von Norden zu erreichen müssen sich die Autofahrer die Straße mit einem Schwarm an Motorradfahrern teilen. Der Weg hinauf hat 36 Kurven mit bis zu 10% Steigung und das hat sich seit langem bei den Bikern herumgesprochen. Natürlich gib’s am Fuße der Strecke ein gleichnamiges Restaurant „Biker Oase Cafe 36“. Nachdem etliche Biker an uns vorbeigezogen sind, waren wir um 10:30 Uhr auf dem Parkplatz. Für einen Samstag schienen uns recht wenig Besucher hier zu sein. Dem war dann auch so. Noch ein paar Meter zu Fuß und wir standen am Eingang. Für Inhaber einer Ehrenamtskarte ist der Eintritt kostenlos. Ich habe eine. Sie war im Rucksack, der im Auto lag. Dem entsprechend muss ich mich nahe der Kasse geäußert haben, denn die Dame hinter dem Schalter lächelte mich freundlich an, gab mir eine Eintrittskarte und winkte mich durch. Vielen, vielen Dank!

Der Turm

Gesamtansicht des Denkmals mit Barbarossa und Wilhelm I.
Gesamtansicht des Denkmals mit Barbarossa und Wilhelm I.

Wenn man dann so vor dem Denkmal steht, ist es wirklich imposant. Ein 52 m hoher, massiver, roter Sandsteinturm.

Gleich unten, hinter dem Steinbruch ähnlichen Zugang zur angedeuteten Höhle, erwacht grade der 6,5m hohe Barbarossa aus einem seiner 100 jährigen Schlaf-Intervalle. Dann schickt er den Zwerg Alberich ans Tageslicht, um zu schauen, ob die Raben noch um seinen Berg fliegen.  Tun Sie es nicht mehr, dann kehrt Barbarossa aus seiner Höhle zurück, um Ordnung in die Welt zu bringen: soweit ganz kurz die Sage. Ich konnte den Zwerg leider nicht fragen, ob er mit dem der Nibelungensage identisch oder mit der Assistentin von Prof. Boerne (ARD Tatort) verwandt ist.

Weit oberhalb von Kaiser Rotbart präsentiert sich zwischen zwei Figuren der

Kaiser Weißbart (Wilhelm I.) auf seinem Pferd. Diese aus Kupferblech gefertigte Gruppe ist 11 m hoch. Links neben ihm ist auf einer Tafel zu lesen: Sedan Paris 1870 ( vorentscheidender Sieg gegen Kaisers Napoléon III ). Der Schriftzug unter dem Standbild trägt heute noch die Inschrift „Wilhelm I.“. Der restliche Text  „Dem Begründer des Reiches / Die deutschen Krieger“ wurde 1945 entfernt.

Wenn man den Turm über 247 Stufen bestiegen hat, kann man bei guter Sicht – an ca. 50 Tagen im Jahr – den Brocken sehen. Unsere Aussicht reichte, um den ca. 25 km entfernten Großen Auerberg mit dem Josephskreuz erkennen zu können.

Das vom Architekten Bruno Schmitz entworfene Denkmal wurde zwischen 1890 bis 1896 erbaut. Zu seinen Werken gehören auch das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig und die Kaiser-Wilhelm-Denkmäler am Deutschen Eck in Koblenz und an der Porta Westfalica.

Die Burganlage

Bergfried der Oberburg auf dem Kyffheuser
Bergfried der Oberburg auf dem Kyffheuser

Der Turm steht auf dem Gelände einer ehemaligen Burg­anlage, von denen noch Ruinen und Fundamentreste zu sehen sind. Von der Oberburg haben sowohl die Mauern und die nach Barbarossa benannte Ruine des Bergfrieds (zentrale Burgturm) als auch der tiefste Brunnen der Welt ( 176 m ) überdauert.

Von der Mittelburg konnten wir Mauerreste erahnen. Im Winter, wenn die Blätter gefallen sind, mag man mehr sehen können.

Die Unterburg ist ähnlich gut erhalten, wie die Oberburg.

Der Parkplatz

Wir sind vom Parkplatz zunächst hoch zum Denkmal – gleich Oberburg – gegangen und dann im Bogen nach unten über die Mittel- und Unterburg zum Parkplatz zurückgekehrt. Es gibt zwei Parkplätze. Sie sind für diesen Rundgang gleich gut geeignet.
Will man nur zum Denkmal, empfiehlt es sich den ersten zu nehmen.

Der Tipp

Die Anlage der Unterburg empfiehlt sich für ein Picknick.

Wir hatten von Barbarossa noch nicht genug und sind zur Barbarossa-Höhle gefahren. Der Weg dorthin dauerte länger als gedacht. Und damit sind für beim dritten „Umzu“.

Die Barbarossa-Höhle

1-2 Std. je nach Wartezeit

Die Höhle ist, wie meist bei Höhlen, nur mit einer Führung zu besichtigen. Ich hatte irrtümlich geglaubt, dass man in der Höhle mit etwas Phantasie den König mit seinem in den Tisch eingewachsenen roten Bart erblicken könnte. Insofern war ich enttäuscht.

Barbarossahoehle
Barbarossahoehle
von Havelbaude aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, httpscommons.wikimedia.orgwindex.phpcurid=21762478sRBG1

Überrascht war ich dagegen über die wortwörtlichen Auswüchse der Geologie. Das umgebende Gestein ist Anhydrit. Wenn es der Luftfeuchtigkeit und dem Höhlen­wasser ausgesetzt ist, bläht es sich zu Gips auf. Durch die Volumen­ver­größerung löst sich das Gips in großen Lappen von den Wänden. Diesen Vorgang kann man nur hier und im Ural so eindrucksvoll erleben. Das Volumen vergrößert sich um ca. 64%, die Lappen wachsen mit ca. 5 cm je 100 Jahre.

Unsere Führung dauerte knapp eine Stunde und war außerordentlich kurzweilig gestaltet. (www.barbarossahoehle.de)

In dem nahe gelegenen Bad Frankenhausen fanden wir unsere letzten beiden „Umzus“.

Das Bauernkriegspanorama

Mindestens 1 Std.

Gefühlt etwas außerhalb von Bad Frankenhausen befindet sich das gemalte Bauernkriegspanorama in einem eigens dafür erbauten, zylindrischen Museum. Es gibt nur einen Museumsraum. Die Wand dieses runden Raumes ist mit einer nahtlosen, 143 m langen und 14m hohen, bemalten Leinwand versehen.

Panoramamuseum
Panoramamuseum in Bad Frankenhausen

Prof. Werner Tübke hat es zwischen 1976 bis 1987 zum Gedenken an den Deutschen Bauernkrieg und den Bauernführer Thomas Müntzer gemalt.

Mit einem Audioguide ausgestattet, betritt man den sofort Ruhe ausstrahlenden, dunklen Raum. Nur das Gemälde leuchtet. Man kann sich dem Raum bewegen oder sich auf Sitzwürfeln bequem machen, um dieses riesige Gemälde zu erfassen. Eine sehr angenehme Stimme des Audioguides führt einen dann in 30 Min. durch die wesentlichen Ausschnitte dieses Kunstwerkes. Ich bin kein Kunstkenner, habe aber den Inhalt erfasst und bin dennoch von dem Bild erschlagen. Man muss es erlebt haben!
Man kann sich das Gemälde auf einem  360° Rundblick auch online ansehen.  Diese Möglichkeit vermittelt allerdings nur einen Bruchteil des Erlebniswertes.

Auch wenn Ruhe „gefordert“ ist, so war in einem wesentlichen Zeitabschnitt eine Besuchergruppe anwesend, die offensichtlich den kostenlosen Audioguide abgelehnt hat und sich lieber vom Gruppenleiter das Bild erklären ließ. Das hat den Gesamteindruck leider leiden lassen. (http://www.panorama-museum.de/)

P.S.
Der Maler Werner Tübke hat auch den Altar der Zellerfelder St.-Salvatoris-Kirche gemalt.

Der schiefe Turm von ..

10 Min. bis 1 Std.

Der schiefe Kirchturm in Bad Frankenhausen
Der schiefe Kirchturm in Bad Frankenhausen

Uns war abschließend noch der Kirchturm der Oberkirche von Bad Frankenhausen einen Blick wert.

Durch geologischen Ungemach (Gips- und Salz-Auslaugungen) hat sich der 56 m hohe Turm um 5° geneigt. Die Neígung des bekannten schiefen Turms von Piesa beträgt nur 4° und er ist mit 55 m sogar niedriger. Aber ebenso wie beim Italiener versucht man diesen Turm mit massiven technischen Stützen zu sichern. (http://der-schiefe-turm.de)

Und wer dann noch Lust und Zeit hat

  • kann sich die Pfalzanlage in Tilleda ansehen.
  • ein Bad in der Kelbraer Talsperre nehmen.

Ein Tag ist nicht genug.

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