Borkenkäfer

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Der Borkenkäfer im Harz

stehendes Totholz und Windwurf
stehendes Totholz und Windwurf

Zerstört der Borkenkäfer die Harzwälder?

Dazu passt der leicht veränderte Anfang eines satirische Gedichtes von Heinz Erhardt.
„Hinter eines Baumes Rinde
wohnt der Käfer mit dem Kinde.“

Für das Kind endet das Gedicht tragisch. Es wird vom Specht gnadenlos verschlungen. Im Nationalpark Harz dagegen, töten diese Kinder, das sind die Larven des Borkenkäfers, großflächig den Fichtenbestand.

  Das Video zum Borkenkäfer.

Borkenkäfer

Borkenkäfer
Der Borkenkäfer

Genau genommen handelt es sich um den Buchdrucker, eine Art des Borkenkäfers, der sich auf Fichten spezialisiert hat. Die nur einen Millimeter langen Tiere bohren sich hinter die Borke in die lebenswichtige Bastschicht und legt bis zu 40 Eier ab. Deren Larven fressen sich durch die nährstoffreichen Transportschichten der Bäume und zerstören damit die Baumversorgung sodass er stirbt.

 

Borkenkaefer Fraßspuren des Brutsystems
Fraßspuren des Brutsystems

Die Innenseite der Borke zeigt die typischen Fraßgänge des Brutsystems: das Einbohrloch, die Rammelkammer, den Muttergang und die Seitengänge der Larven.

Da die Bastschicht sehr dünn ist, findet man mit etwas suchen auch die Fraßspuren auf dem Holz des Baumes.

Der gesunde Baum kann sich mit Harzbildung gegen die Tieren zur Wehr setzen. Geschwächte Bäume können es nicht mehr ausreichend und werden Opfer der Käferschwärme.

Larve des Borkenkäfers
Larve des Borkenkäfers

Bei warmen Temperaturen können pro Jahre 3 Käfergenerationen entstehen. In einem Jahr wie 2018 kann somit ein einzelnes Käferweibchen über 1000 Nachkommen generieren. So entstehen riesige Schwärme, die vorwiegend durch den Wind bis zu den nächsten unbefallenen Fichten getragen werden und sich dann versuchen dort einzunisten.

Klimaeinfluss

Außerdem schwächte die 6 monatige Hitze und Trockenheit in diesem Jahr (2018) die Fichten, die es kühl und gleichmäßig feucht liebt. Beides ließ dann große Fichtenflächen sterben. Z. Zt. sind ca. 10% der Nationalparkfläche vom Borkenkäfer befallen. Ein typischer Wert im Nutzwald sind 1%.

In den letzten 12 Monaten kamen auch zwei Stürme hinzu, die viele lebende Fichten niederdrückten. Die abgestorbenen Bäume blieben dagegen stehen, da sie in ihrem kahlen Zustand dem Wind keine Angriffsfläche boten.

Daher haben wir an vielen Stellen im Harz, insbesondere im Nationalpark Harz. dieses traurige Waldbild.

Neues Leben

Aber ist es wirklich traurig? Beim genaueren hinsehen nicht. Denn das Totholz bietet Pilzen, Insekten, Vögeln, Fledermäusen, Katzen ihre Nahrung und einen Wohnraum.

Fichtensamen fassen gerne Fuß auf dem Totholz und lassen die Sämlinge zu großen Bäumen wachsen. Auf dem jetzt licht gewordenen Boden blühen bislang unterdrückte Pflanzen auf und neues Gehölz siedelt sich an und überdeckt bald das bereits liegende Totholz.

Wir sehen diese Zustände sehr augenfällig im Nationalpark. Denn im Gegensatz zum ökonomisch nachhaltig wirtschaftenden Forstämtern wirkt die Nationalparkverwaltung vorwiegend ökologisch auf ihren Waldbestand. Dennoch gesteht der Nutzwaldbesitzer einen Totholzanteil von ca. 25m³ / ha zu. Der Nationalpark rechnet mit der 10fachen Menge.

Daraus ergibt sich ein unterschiedlicher Umgang mit dem Borkenkäfer. Während der Nationalpark dem natürlichen Ringen zwischen dem Borkenkäfer und der Fichte freien Lauf lässt, kontrolliert das Forstamt peinlich genau jeden Baum, um ihn ggf. sofort aus dem Bestand zu entfernen.

Um ein Überspringen der Käfer aus dem Nationalpark in den Wirtschaftswald zu verhindern, trennt ein 500 m breiter Sicherungsstreifen beide Gebiete.

Nationalpark

Zeitreihe Meineberg 2008 2018 Foto: Drube & Gebara - Nationalpark
Zeitreihe Meineberg 2008  bis 2018 –  Foto: Drube & Gebara – Nationalpark Harz

Das Motto des Nationalparks ist: Natur Natur sein lassen. Der Mensch soll also nicht mehr eingreifen. Das gilt jetzt schon für einen Großteil des Nationalparks, in der sogenannten Walddynamikzone. In den übrigen Teilen soll der Wald in seinen natürlichen Zustand versetzt werden. Denn unterhalb von 700m üNHN würde nicht die Fichte sondern die Buche vorherrschen. Dazu werden in der Entwicklungszone viele Fichten gefällt, damit mehr Licht die darunter gepflanzten Buchen erreicht. Das kahle stehende Totholz lässt ebenfalls genügend Licht durchscheinen und muss also nicht gefällt werden. Das spart Arbeit, dem Borkenkäfer sei Dank.

Wir können jedem empfehlen, sich diese natürliche Waldveränderung im Harz anzusehen. Ob man das Waldbild als schön empfindet, mag jedem selber überlassen sein. Aber interessant ist es allemal.

Seht es euch bald an, denn in einigen Jahren ist davon kaum mehr etwas zu sehen. Der Meineberg bei Ilsenburg war im Jahre 2008 so stark betroffen, dass der Nationalpark Harz hier einen Borkenkäferpfad anlegte. Inzwischen ist der Berghang wieder so hoch bewachsen, dass man das Totholz suchen muss.

Standorte des Totholzes
Standorte des Totholzes

Gut zu erleben ist es momentan auf dem Weg zwischen Torfhaus und Brocken, am Oderteich, am Clauthaler Flutgraben und an der B4 zwischen Torfhaus und Braunlage.

Hinweise

Wie sind Ihre/eure Gedanken zu diesem Thema.

Dem Nationalpark Harz danken wir für die Freigabe einiger Fotos und Grafiken.

Ein Gedanke zu „Borkenkäfer“

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