Bergbaumuseum Knesebeck

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Bergbaumuseum Knesebeck

Das Bergbaumuseum Knesebeck in Bad Grund zeigt über- und untertägig die technische Entwicklung der 1992 stillgelegten Grube „Hilfe Gottes“. Sie ist damit die letzte im Westharz geschlossenen Grube. Ihr Wahrzeichen ist der weltweit einzigartige Hydrokompressorenturm.

Eingang zum Bergbaumuseum Schacht Knesebeck
Eingang zum Bergbaumuseum Schacht Knesebeck

Wir haben das Bergbaumuseum Schachtanlage Knesebeck bei bestem Sommerwetter besucht und zunächst an der informativen Führung mit Keinert teilgenommen. Im Kompressorenhalle präsentiert sich ein großer mit Bänderz durchzogenen Quarz-Kalkspatstein. Er lässt das in Streifen angeordnete Bleiglanz, Pyrit ( Katzengold ) und Zinkblende sehr gut erkennen. In der Verhüttung gewann man Blei, Zink und Silber.

Ein Hunt/Hund (Lore)
Ein Hunt/Hund (Lore)

Dann sind wir in den Berg eingefahren. Gefahren? Nein, der Bergmann nennt jede Fortbewegung unter Tage „fahren“; egal ob gehen, Leitern (Fahrten) besteigen oder tatsächlichen Fahren im Förderkorb und mit Fahrzeugen. Dicht am Mundloch atmet uns schon die kalte feuchte Luft des ehemaligen Suchstollen entgegen. Auf den ersten 10m schützen Stahlausbaue vor dem Berg, danach stand stabiles, selbsttragendes Schiefergestein an. Der Suchstollen hatte damals keinen weiteren Erzfund ergeben und so steht an der Orstbrust ein verlorener leere Hunt/Hund (Lore). Nach einem kurzen Anstieg erreicht man den Stollen des „Untere Eichelberger Wasserlaufs“. Heute fließt hier nur zu unseren Füssen ein kleiner Rinnsal. Damals stand das Wasser hüfthoch. An seinem Ende kommen wir wieder zu Tage, direkt unterhalb des Hydrokompressorturms.

Jetzt hatten wir Zeit, das Freigelände und seine Exponate ausführlich zu begutachten. Dazu später, jetzt folgen erst ein paar Infos zur Geschichte.

Geschichte

Das Erzbergwerk Grund entstand 1923, als man die bis dahin eigenständigen Gruben „Hilfe Gottes (seit 1831) und Bergwerkswohlfahrt (seit 1819) zusammengelegt hatte. Das Grubengebäude besaß 4 Schächte, von denen auf dem Museumsgelände der Knesebeckschacht (Teufe /Tiefe 499 m) zu besichtigen ist. Die tiefsten Abbaue fanden auf der 21. Sohle in 900m Tiefe statt, also ca. 540 unterhalb des Meeresspiegeles. Zur Entwässerung der Grube konnten der insgesamt ca. 26 k lange Tiefe-Georg-Stollen in 30 m Teufe und der insgesamt ca. 40 km lange Ernst-August-Stollen in 111m Teufe genutzt werden.

Aus wirtschaftlichen Gründen wurde die Grube am 28. März 1992 still gelegt. Bis dahin hatte man aus dem geförderten Roherz Blei (1 Mill. Tonnen), Zink (700.000 t) und Silber (2.500 t) gewonnen.

Die Grube gehört, wie die meisten Bergbauspezifischen Anlagen des Westharzes seit August 2010 zum Weltkulturerbe „Oberharzer Wasserwirtschaft“1).

Der Hydrokompressor

Unter Tage wurden viele Maschinen, Bohrer und selbst Fahrzeuge mit Druckluft betrieben. Hier, und das ist einzigartig, wurde die Druckluft durch den freien Fall des im Harz reichlich vorhandenen Wassers erzeugt. In der Kurzversion: Wasser fällt in einen großen Trichter mit angeschlossenem 100m langen senkrechten Fallrohr, im Trichter reißt das Wasser die Umgebungsluft mit und befördert die Luftblasen in die Tiefe bis zum Luftabscheider und -speicher. Aufgrund der Höhendifferenz der nachfolgenden Steigleitung von 64m stand diese Luft unter einem Druck von 6,4 bar. Eine anschauliche Animation befindet sich auf der Internetseite des Knesebeckschachtes (http://www.knesebeckschacht.de/hydro.php).

Elektrolok

Abgesehen von vielen Exponaten des Freigeländes ist die Elektrolokomotive erwähnenswert. Sie gehört zu den zwei gut erhaltenen ihrer Art. Sie wurde über eine Oberleitung mit einer Gleichspannung 500V angetrieben.

Betriebsgebäude

Wir konnten die verschiedenen Betriebsgebäude, wie z.B. Kaue, Maschinenhaus oder Schachthalle, besichtigen.

Radstuben

Oberer Radstube für das Kunstrad
Oberer Radstube für das Kunstrad

Einige Meter oberhalb des Niveaus der Hängebank bzw. der Werkstrasse befinden sich zwei Radstuben. In den Jahren 1855 bis 1900 trieben die 12m hohen Kunsträder ( Wasserräder ) die Fördereinrichtungen und Pumpen im Bergwerk an. Das Kunstrad (einseitige Drehrichtung ) der oberen Radstube trieb ein Feldgestänge an. Etwas weiter unten, neben dem Maschinenhaus, befand sich das Kehrrad, das sich als Teil der Fördereinrichtung wahlweise rechts oder links drehen ließ.

Wir sind von dem Besuch dieses Bergbaumuseum sehr zufrieden zurückgekehrt.

Mit einem Ohr mussten wir hören, dass es etliche Tage gibt, an denen die ehrenamtlichen Führer vergeblich auf Interessierte warten. Sicherlich kann es nicht mit dem Museum des Erzbergwerkes Rammelsberg konkurrieren. Aber es ist eine sehenswerte Ergänzung! Und noch ein Geheimtipp!

Hinweise

Weitere Fotos auf G+

Getragen wird das Bergwerksmuseum von der Stadt Bad Grund und dem Förderverein Bergbau- & Heimatmuseum Bad Grund e.V. Der Verein wurde noch zur Betriebszeit des Bergwerkes im Jahre 1982 gegründet.

Links:

1) Der 1992 erworbene UNESCO-Titel umfasste „Erzbergwerk Rammelsberg und Altstadt von Goslar“. Er wurde im Jahre 2010 um das Flächendenkmal „Oberharzer Wasserwirtschaft“, bislang „Oberharzer Wasserregal“ genannt, erweitert. Damit lautet der Titel des UNESCO-Weltkulturerbes heute „Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft “

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