19-Lachter-Stollen

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19-Lachter-Stollen

Wir besuchten den 19-Lachter-Stollen in Wildemann im Harz. Die Besonderheiten dieses Bergwerkmuseums, unsere Erlebnisse mit dem agilen Stollenführer und die Geschichte des Bergbaues beeindruckte uns sehr. Wir sahen das 9 m große, untertägige Kehrrad im Betrieb und erfuhren, dass man mit einem Tscherper Messer nur selten Schinken geschnitten hat.

Mundloch des19-Lachter-Stollens in Wildemann
Mundloch des19-Lachter-Stollens in Wildemann

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Wir trafen den Stollenführer Helmut Kröner an einem Samstag nach seiner letzten Tagesschicht. Nach einem kräftigen „Glück auf“ erklärte er uns zunächst die Bedeutung des Namens „19-Lachter-Stollen“. Der Lachter ist ein Längenmaß, dass in etwa 1,92 m entspricht.

Wasserlösungsstollen

Riss der Stollen des Zellerfelder Gangzuges
Riss der Stollen des Zellerfelder Gangzuges

Um die 19 zu verstehen, muss man zunächst wissen, dass diese Stollen ursprünglich als einer von vielen Harzer Wasser­lösungs­stollen erstellt wurde. Sie  entwässern die Gruben. Sie beginnen in einem Bergwerk an einem möglichst tiefen Punkt und leiten das ständig tropfende Wasser kanalartig aus der Grube hinaus ans Tageslicht. Das Stollenportal nennt man Mundloch. Das funktioniert natürlich nur im Gebirge wenn die Grube höher liegt als die Umgebung oder, wie hier, das Harzvorland.

Der höchstgelegene Wasserlösungsstollen im Zellerfelder Gangzug ist der Frankenscharrn-Stollen. Der nächst tiefer gelegen Stollen liegt 16 Lachter (ca. 31 m) unter ihm und heißt entsprechend 16-Lachter-Stollen. Darunter folgt der 16-Lachter-Stollen und schließlich mit weiteren 19 Lachter tiefer, dieser 19-Lachter-Stollen mit seinem Mundloch. Im Laufe der Zeit wurden immer neue weit tiefer gelegene Wasserlösungsstollen in den Harzer Berg getrieben. Die tiefste Wasserlösungsstollen im Harz ist der Ernst-August-Stollen mit seinem Mundloch im Harzer Vorland in Gittelde. Er entwässert auf seinen 33 km nahezu alle oberharzer Gruben von Clausthal-Zelerfeld über Lautenthal und Wildemann bis nach Bad Grund.

Als der 19-Lachterstollen im Jahre 1809 also als Wasserlösungsstollen gebaut wurde, hatte er sein Mundloch ca. 200m weiter östlich am Badstubenberg. Später begann man ihn als Transportweg für Erze nutzte, wurde der Weg vom Mundloch zum Pochwerk ( Erzaufbereitung ) zu weit. Deshalb trieben die Bergleute einen neuen, gradlinigen, 800m langen Stollen vom Pochwerk zur Grube Haus-Sachsen. Das ist der heute zu begehende Stollen. Er trägt den Namen 19-Lachter-Adolf-Stollen (s.u.). Davon sind heutzutage nur die ersten 300m für die Besucher zugänglich. Auf dem Weg wird es einiges zu sehen geben.

Einfahren

Farben des 19-Lachter-Stollens
Farben des 19-Lachter-Stollens

Also sind wir in den Berg eingefahren. Nein, nicht mit einer Grubenbahn, sondern zu Fuß. Egal wie man in das Bergwerk kommt, ob zu Fuß, mit der Bahn, ob man rutscht – das Arschleder schützte das Gesäß des Bergmanns bei dieser Einstiegsvariante – oder Klettert, der Bergmann nennt es einfahren. Entsprechend wird eine Leiter hier Fahrte genannt.

Ausbaue

Auf dem Weg durch den Stollen erfuhren wir, dass Herr Kröner regelmäßig die Stöße – Stollenwände – mit einem Hammer abklopft, um sich lösendes Gestein frühzeitig zu finden und zu beseitigen. Im vorderen Bereich, der der Verwitterung ausgesetzt ist, ist der Stollen mit Stahl ausgebaut. Früher hatte man Holzausbaue genutzt und den sogenannten Deutschen Türstock aufgestellt. Er fängt sowohl den Druck der Firste (von oben) als auch den der Stöße auf.

Später, tiefer im Berg trägt der Fels selbständig. Das taube Gestein – ohne Erz – ist im zu besichtigenden Bereich die Gesteinsart Grauwacke, tiefer im Berg kommt Quarz und Kalkspat hinzu.

Erste untertägige Gleisanlage im Harz

ursprüngliche Schienen im 19-Lachter-Stollen
ursprüngliche Schienen im 19-Lachter-Stollen

An der ersten Station liegen alte, wahrscheinlich ursprüngliche Schienen für die Hunte/Hunde – Loren – am Stollenrand. Hier im 19-Lachter-Stollen wurde der erste untertägige eiserner Schienenstrang für Räder mit Spurkranz im Oberharz montiert. Zuvor führen die Hunte auf einem Bohlenpaar und ein Spurnagel hielt sie auf Kurs.

Die Gleise bestanden nur auch geraden Elementen die an ihren Enden je eine dem Kniegelenk ähnliche entgegengesetzte Ausformung haben; daher erhielten sie den Spitzname „Hammelpfoten“. So konnte man mit geraden Schienen Kurven legen. Weichen gab es nicht. Im Bereich einer Gleisverzweigung schob man den Hunt auf eine Metallplatte, schob ihn in die gewünschte Gleisrichtung und fädelte ihn in der neuen Richtung auf das Gleis.

Suchstollen

Einige Meter weiter erreicht man den ca. 200 m lange Suchstollen an. Man hatte hier vergeblich nach Erz gesucht. Heute ist er geflutet und nicht begehbar. Dort ist auch ein Deutschen Türstock (s.o.) als Anschauungsobjekt aufgebaut.

Hier erzählt Herr Kröner auch die vollständige Geschichte zum Tscherper Messer und dass es kaum zum Schneiden von Schinken genutzt wurde.

Elektrische Fördermaschine

Nicht weit entfernt befindet sich der neue, um 1914 erstellte Maschinenraum mit einer elektrischen Fördermaschine. Sie ersetzte das mit Wasserkraft angetriebene Kehrrad, das heute die Hauptattraktion des Schaubergwerkes ist.

Ernst-Augst-Schacht

Blick in den Ernst-August-Schacht
Blick in den Ernst-August-Schacht

Einige Meter weiter müssen wir den 261 m tiefen Ernst-August-Schacht überqueren. Es ist ein Blindschacht – keine Verbindung zur Erdoberfläche – der bis zum Ernst-August-Stollen (s. Wasserlösungsstollen) hinabreicht. Er war der Förderschacht der 1845 gemuteten – genehmigter Erzabbau – Grube Ernst-August. Um die Teufe – Tiefe – zu demonstrieren schüttet Herr Kröner einen Schwall Wasser hinab. Nach 11 Sek. Sieht man ihn an der untersten Lampe im Schacht vorbei fallen bevor er weitere 11 Sek. benötigt, um im Schachtsumpf aufzuschlagen. Namensgebend war Ernst-August von Hannover.

Kehrrad

Kehrrad im 19-Lachter-Stollen
Kehrrad im 19-Lachter-Stollen

Kurz vor dem Ernst-August-Schacht kommen wir an der Aufschlagrösche, ein Kanal, der das Wasser auf die untertägigen Wasserräder leitet, vorbei. Einige Meter nach dem Schacht erreichen wir das 9m durchmessende und 2 m breite, hölzerne Kehrrad. Das 150 Jahre alte Kehrrad wurde im Jahre 2013 durch ein Neues ersetzt. Der Raum, in dem sich eine Wasserrad befindet nennt man Radstube.

Der Bergmann kann das Kehrrad, im Gegensatz zu einem Kunstrad, in beide Richtungen drehen lassen. Dazu lenkt er das Antriebswasser auf einen der beiden Radkränze. Die beiden angetriebene Seiltrommeln wickeln gleichzeitig das eine Seil auf und das andere ab. Eine vollständige Schachtfahrt dauerte 5 Minuten. Dabei dreht das Rad mit ca. 5 Umdrehungen / Minute.

Das für den Antrieb genutzte Wasser wird in eine etwas tiefere Radstube geleitet, bevor es über einen Wasserlösungsstollen den Berg verlässt.

Turbine und Kompressor

Ursprünglich war in der unteren Radstube ein Kunstrad installiert, dass im Wesentlichen die Pumpen antrieb. Seit 1914 fasst man das Wasser in ein Rohr um Strom, für die elektrische Fördermaschine, über eine Turbine zu erzeugen. Gleichzeitig nutzte man die Rotationskraft, um mit einem Kompressor die Druckluft für die Bohrhämmer zu erzeugen.

Von hier aus geht es wieder über viele Stufen zurück zur oberen Radstube und hinaus ans Tageslicht.

Geschichtliche Ergänzungen

Lage von Mundloch des 19-Lachter-Stollen und Pochwerk
Lage von Mundloch des 19-Lachter-Stollen und Pochwerk

Die ersten Arbeiten begannen 1535 am 200m entfernten Badstubenberg.

Der 19-Lachter-Adolf-Stollen, durch den die Besucher heute einfahren, wurde ab 1809 vorangetrieben. Er hat den langen Erztransport vom alten Mundloch am Badstubenber durch den halben Ort zum hier gelegenen Pochplatz stark verkürzt. Die Geschichte zum Namesvergabe besagt, dass zur Besichtigung der Grube ein Vertreter des Landesherren kam. Er führ in 800m entfernte Grube Haus Sachsen ein und wurde mit einem ausgepolsterten Hunt über das moderne eiserne Schienensystem (s.o.) zum Mundloch in Wildemann geschoben. Darauf hin war es ihm eine Ehre, seinen Namen – Adolphus Frederick, 1. Duke of Cambridge – diesem Stollen zu geben.

19-Lachter-Stollen Museum
19-Lachter-Stollen Museum

Vor dem Mundloch direkt am Hang steht heute ein Hunt auch Schienen. Hier war die Abwurfstelle der Erze hinab zum Pochwerk, das die Erze aufarbeitete.

Entgegen einigen Berichten, wurde beim Neubau des Kehrrades der ehemalige Stollen nicht erweitert. Es wurden lediglich Gewölbemauerungen entfernt, die schadhafte Stellen der alten Ausbaue der Besucher wegen sicherten.

Der 19-Lachter-Stollen gehört wie auch weitere Besucherbergwerke und das Teich-Graben- System des Oberharzes seit 2010 zum Weltkulturerbe der UNESCO: „Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft“

Hinweise

Wir haben auch das Besucherbergwerk Knesebeck in Bad Grund besucht.

Ein Fotoworkshop fand im Erzbergwerk Rammelsberg statt.

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2 Gedanken zu „19-Lachter-Stollen“

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